Banking fundamentals · 20 cards

Bankkennzahlen verstehen.

20 kompakte Lernkarten mit Definition, Formel, grober Orientierung, echten Bankbeispielen und Eselsbrücke. Die Werte sind Lernhilfen; Geschäftsmodell, Peer Group und individuelle regulatorische Anforderungen bleiben entscheidend.

CapitalLiquidityFundingAsset QualityProfitabilityResolution
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Öffne eine Karte erst, nachdem du Definition, Formel und Interpretation selbst versucht hast. Nutze die Bankbeispiele anschließend als Kalibrierung.

Stand der Beispiele

Q2/H1 2026, soweit angegeben. Die Bandbreiten sind bewusst grobe Lernorientierungen und keine regulatorischen Grenzwerte.

01 Bilanzsumme04 CET107 Leverage10 LCR12 L/D15 NPL19 CIR20 RoTE
01
Größe

Bilanzsumme

Was sagt die Bilanzsumme einer Bank aus?

Sie zeigt die gesamte Größe der Bankbilanz. Sie ist eine Größenkennzahl, keine Qualitätskennzahl.

Bilanzsumme = Σ Assets = Liabilities + Equity

Orientierung

  • < 50 Mrd. €: oft Spezial-/Regionalbank
  • 50–500 Mrd. €: größere nationale Bank
  • > 500 Mrd. €: große Universal-/Systembank

Beispiele

  • Deutsche Bank: 1.521 Mrd. €
  • Commerzbank: 619 Mrd. €
  • Aareal: 48,6 Mrd. €
  • HCOB: 26,6 Mrd. €
🧠 Supermarkt-Merker: Die Ladenfläche sagt, wie groß der Laden ist — nicht, wie profitabel oder sicher er ist.
02
Risk

RWA / TREA

Was sind Risk Weighted Assets?

RWA übersetzen Exposures in eine regulatorisch risikogewichtete Größe. Auf ihnen basieren die wichtigsten Kapitalquoten.

RWA = Σ regulatorisch gewichtete Kredit-, Markt- und operationelle Risiken

Interpretation

  • Niedrige absolute RWA ≠ automatisch sicher
  • Hohe absolute RWA ≠ automatisch schlecht
  • Relativ zur Bilanz hilft die RWA Density

Beispiele

  • Deutsche Bank: 367,2 Mrd. €
  • Commerzbank: 182,4 Mrd. €
  • pbb: 16,4 Mrd. €
  • HCOB: 12,3 Mrd. €
🧠 Flughafen-Merker: Koffer sind real gleich groß, bekommen aber unterschiedliche Risikosticker.
03
Risk intensity

RWA Density

Was ist die RWA Density?

Sie zeigt, wie viele regulatorische RWA auf einen Euro Bilanzsumme kommen.

RWA Density = RWA / Total Assets

Orientierung

  • < 30 %: eher niedrig
  • 30–50 %: mittel / kreditintensiver
  • > 50 %: sehr RWA-intensiv

Beispiele

  • Deutsche Bank: ~24,1 %
  • Commerzbank: ~29,5 %
  • pbb: ~42,1 %
  • HCOB: ~46,2 %
🧠 Rucksack-Merker: Gleich groß, aber einer voller Federn und einer voller Steine.
04
Capital

CET1 Ratio

Was ist die CET1 Ratio?

Sie misst hartes verlustabsorbierendes Kernkapital relativ zu den RWA und ist die zentrale regulatorische Kapitalquote.

CET1 Ratio = CET1 Capital / RWA

Orientierung

  • < ~11 %: oft wenig Headroom
  • 12–15 %: solide
  • > ~16 %: großer Puffer

Beispiele

  • ING: 13,1 %
  • Deutsche Bank: 13,9 %
  • Commerzbank: 14,4 %
  • HCOB: 17,6 %
🧠 CET1 ist die Knautschzone: Sie absorbiert Verluste, bevor Gläubiger getroffen werden.
05
Capital

Tier 1 Ratio

Was ist die Tier 1 Ratio?

Tier 1 besteht aus CET1 plus AT1 und zeigt den Going-Concern-Kapitalpuffer.

Tier 1 Ratio = (CET1 + AT1) / RWA

Orientierung

  • 6 %: Pillar-1-Basisminimum
  • 14–18 %: häufig solide
  • > 20 %: sehr starker Puffer

Beispiele

  • Commerzbank: 16,3 %
  • pbb: 16,4 %
  • Deutsche Bank: 17,2 %
  • Aareal: 23,7 %
🧠 CET1 ist die Matratze, AT1 der Topper — zusammen Tier 1.
06
Capital

Total Capital Ratio

Was ist die Total Capital Ratio?

Sie umfasst CET1, AT1 und Tier 2 und zeigt damit den gesamten regulatorischen Kapitalpuffer vor Senior-Gläubigern.

Total Capital Ratio = (CET1 + AT1 + Tier 2) / RWA

Orientierung

  • 8 %: Pillar-1-Basisminimum
  • 16–20 %: häufig solide
  • > 20 %: großer Puffer

Beispiele

  • pbb: 18,6 %
  • Deutsche Bank: 19,0 %
  • Commerzbank: 19,6 %
  • HCOB: 22,0 %
🧠 Drei Schutzschichten: CET1, AT1 und Tier 2.
07
Backstop

Leverage Ratio

Warum braucht man sie zusätzlich zur CET1 Ratio?

Sie setzt Tier-1-Kapital ins Verhältnis zur nicht risikogewichteten Leverage Exposure und dient als Backstop gegen übermäßige Verschuldung.

Leverage Ratio = Tier 1 Capital / Leverage Ratio Exposure

Orientierung

  • ~3 % plus ggf. Puffer: Sockel
  • 4–5 %: bei Großbanken häufig
  • > 6 %: niedriger Leverage

Beispiele

  • Commerzbank: 4,3 %
  • Deutsche Bank: 4,5 %
  • pbb: 7,3 %
  • HCOB: 7,8 %
🧠 Hier kommt der ganze Koffer auf die Waage — egal, welcher Risikosticker darauf klebt.
08
Supervision

Pillar 2 Requirement

Was ist der P2R?

Ein bankspezifischer zusätzlicher Kapitalaufschlag aus dem SREP für Risiken, die Pillar 1 aus Sicht der Aufsicht nicht ausreichend abdeckt.

Kapitalanforderung = Pillar 1 + P2R + anwendbare Kapitalpuffer

Orientierung

  • 1–2 %: eher niedrig
  • 2–3 %: mittel
  • > 3 %: deutlich höher

Beispiele 2026

  • ING: 1,70 %
  • Commerzbank: 2,15 %
  • HCOB: 2,29 %
  • pbb: 3,25 %
🧠 Pillar 1 ist die Grundprüfung, P2R sind individuelle Zusatzhausaufgaben.
09
Capital headroom

MDA Headroom

Was bedeutet CET1- bzw. MDA-Headroom?

Der Abstand der tatsächlichen CET1 Ratio zur relevanten Ausschüttungs-/Kapitalschwelle.

CET1 Headroom = CET1 Ratio − relevante CET1-/MDA-Schwelle

Orientierung

  • < 2 %-Pkt.: eng
  • 2–4 %-Pkt.: solide
  • > 4 %-Pkt.: komfortabel

Beispiele

  • Deutsche Bank: ~2,7 %-Pkt.
  • Commerzbank: ~4,1 %-Pkt.
  • HCOB: ~6,5 %-Pkt.
🧠 Die MDA-Schwelle ist die Klippenkante; Headroom ist dein Abstand dazu.
10
Liquidity

Liquidity Coverage Ratio

Was ist die LCR?

Sie prüft, ob HQLA reichen, um einen regulatorischen 30-Tage-Stress mit Netto-Cash-Abflüssen zu überstehen.

LCR = HQLA / Netto-Cash-Outflows im 30-Tage-Stress

Orientierung

  • 100 %: Untergrenze
  • 120–180 %: komfortabel
  • > 200 %: sehr viel Liquidität

Beispiele

  • Deutsche Bank: 140 %
  • HCOB: 186 %
  • Aareal: 201 %
  • pbb: 402 %
🧠 Die LCR ist der 30-Tage-Wassertank der Bank.
11
Funding stability

Net Stable Funding Ratio

Was ist die NSFR?

Sie vergleicht langfristig verfügbares stabiles Funding mit dem stabilen Funding, das die Aktivseite benötigt.

NSFR = Available Stable Funding / Required Stable Funding

Orientierung

  • 100 %: Untergrenze
  • 110–125 %: solide
  • > 130 %: sehr stabiles Funding

Beispiele

  • Aareal: 115 %
  • Deutsche Bank: 118 %
  • HCOB: 128 %
  • CaixaBank: 143 %
🧠 Lange Assets brauchen lange tragende Pfeiler — Tagesgeld allein ist zu kurz.
12
Funding mix

Loan-to-Deposit Ratio

Was ist die Loan-to-Deposit Ratio?

Sie zeigt das Kundenkreditbuch im Verhältnis zu Kundeneinlagen. Über 100 % ist zusätzliches Funding typischerweise nötig.

Loan-to-Deposit Ratio = Customer Loans / Customer Deposits

Orientierung

  • < 80 %: deposit-reich
  • 80–100 %: weitgehend deposit-funded
  • > 100 %: zusätzliches Funding nötig

Beispiele

  • Deutsche Bank: 70,3 %
  • Commerzbank: ~83 %
  • CaixaBank: 88,1 %
  • HCOB: ~120 %
🧠 100 Brote Deposits, 120 Brote Kredite: 20 Brote musst du anderswo beschaffen.
13
Collateral

Asset Encumbrance

Was bedeutet Asset Encumbrance?

Sie misst, welcher Teil der Assets bereits als Sicherheit gebunden ist, etwa für Pfandbriefe, Repos oder Zentralbankgeschäfte.

Asset Encumbrance Ratio ≈ encumbered assets / relevante encumberable assets

Orientierung

  • < 20 %: viel freie Flexibilität
  • 20–35 %: normal bei secured funding
  • > 40 %: großer Teil gebunden

Beispiele

  • Lombard Bank Malta: ~0,7 %
  • CaixaBank: 15,3 %
  • HCOB: 19 %
🧠 Ein Haus mit Hypothek gehört dir noch, kann aber nicht beliebig oft neu verpfändet werden.
14
Resolution

MREL / TREA

Was ist MREL/TREA?

MREL verlangt ausreichend Own Funds und bail-in-fähige Verbindlichkeiten zur Verlustabsorption und Rekapitalisierung im Abwicklungsfall.

MREL/TREA = (Own Funds + eligible liabilities) / TREA

Interpretation

  • Kein universell „guter“ Wert
  • Headroom zur individuellen Anforderung zählt
  • Sehr hoher Puffer kann Fundingkosten erhöhen

Beispiele

  • Commerzbank: 34,1 %
  • Deutsche Bank: 36,4 %
  • HCOB: 65,0 %
🧠 Brandschutz-Etagen: bestimmte Schichten dürfen Verluste tragen, damit das Gebäude stehen bleibt.
15
Asset quality

NPL / NPE Ratio

Was ist die NPL- bzw. NPE-Ratio?

Sie misst den Anteil notleidender Kredite bzw. Exposures am relevanten Kreditbuch.

NPL Ratio = Non-Performing Loans / relevante Loans

Orientierung

  • < 2 %: gute Asset Quality
  • 2–4 %: erhöht
  • > 5 %: deutlicher Problemkreditbestand

Beispiele

  • Commerzbank: 1,1 % NPE
  • HCOB: 3,0 % NPL
  • Deutsche Bank: 3,2 % NPL
  • pbb: ~8,5 %
🧠 Kreditbuch als Apfelkiste: NPL sagt, wie viele Äpfel bereits faul sind.
16
Asset quality

NPL Coverage

Was ist die NPL-/Stage-3-Coverage-Ratio?

Sie zeigt, wie viel des Problemkreditbestands durch Wertberichtigungen abgedeckt ist. Collateral kann niedrige Coverage teilweise erklären.

Coverage Ratio = Kreditrisikovorsorge auf Problemkredite / Problemkreditbestand

Orientierung

  • < 30 %: bei stark besicherten Loans möglich
  • 30–50 %: häufiger Bereich
  • > 50 %: starker Provision-Puffer

Beispiele

  • HCOB: 28 % Stage 3
  • Deutsche Bank: 33 % Stage 3
  • UniCredit: 45,8 % NPE
🧠 Provisions sind der Regenschirm, Collateral das Dach.
17
Credit cost

Cost of Risk

Was ist der Cost of Risk?

Er misst die Kreditrisikovorsorge relativ zum durchschnittlichen Kreditvolumen, meist annualisiert in Basispunkten.

Cost of Risk ≈ Loan Loss Provisions / durchschnittliches Kreditvolumen

Orientierung

  • < 20 bp: sehr niedrig
  • 20–50 bp: typischer Zyklus
  • 50–100 bp: spürbarer Druck
  • > 100 bp: starker Stress

Beispiele

  • ING: 15 bp
  • UniCredit: 17 bp
  • Commerzbank: 22 bp
  • Deutsche Bank: 40,6 bp
🧠 Wie die Schadensquote einer Versicherung: 20 bp auf 10.000 € Kreditbuch ≈ 20 € pro Jahr.
18
Profitability

Net Interest Margin

Was ist die NIM?

Sie misst den Nettozinsertrag relativ zu den durchschnittlichen zinstragenden Assets.

NIM = Net Interest Income / durchschnittliche interest-earning assets

Orientierung

  • < 1,5 %: enge Marge / anderer Mix
  • 1,5–2,2 %: typischer europäischer Bereich
  • > 2,2 %: starke Marge

Beispiele

  • Deutsche Bank: ~1,6 %
  • HCOB: 2,11 %
  • ING: 2,26 %
🧠 Mautstraße: NIM ist die Maut, die nach Fundingkosten pro Euro zinstragender Assets hängen bleibt.
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Efficiency

Cost-Income Ratio

Was ist die Cost-Income Ratio?

Sie setzt operative Kosten ins Verhältnis zu operativen Erträgen. Niedriger ist grundsätzlich effizienter.

Cost-Income Ratio = Operating Expenses / Operating Income

Orientierung

  • < 40 %: sehr effizient
  • 40–60 %: gut / normal
  • 60–70 %: Kosten drücken
  • > 70 %: strukturell problematisch, wenn dauerhaft

Beispiele

  • Aareal: 31,4 %
  • HCOB: 47 %
  • Deutsche Bank: 60,9 %
  • pbb: 82,0 %
🧠 Bei 50 % CIR frisst die Betriebsmaschine 50 Cent von jedem Euro Ertrag.
20
Returns

RoE / RoTE

Was ist Return on Equity bzw. Return on Tangible Equity?

RoE misst Gewinn auf durchschnittliches Eigenkapital; RoTE verwendet materielles Eigenkapital ohne Goodwill und andere immaterielle Assets.

RoE = Net Income / Average Equity
RoTE = Net Income / Average Tangible Equity

Orientierung

  • < 5 %: meist unzureichend
  • 8–12 %: oft nahe Eigenkapitalkosten
  • > 12 %: stark, wenn nachhaltig

Beispiele

  • pbb: 0,2 % RoTE
  • Aareal: 8,3 % RoE
  • Commerzbank: 12,6 % RoTE
  • ING: 17,0 % RoTE
🧠 Du legst 100 € eigenes Geld in die Bank. RoE/RoTE fragt: Wie viele Euro Gewinn kommen darauf zurück?
Der Gesamtzusammenhang

Bankanalyse als Kreislauf

Neues Geschäft erzeugt Assets und oft RWA. Dafür braucht die Bank Kapital und Funding. Liquidität hält sie durch Stressphasen, Asset Quality entscheidet über Kreditverluste, Profitabilität über nachhaltige Wertschaffung — und MREL stellt Verlustabsorptionsfähigkeit in der Abwicklung sicher.

Neues Geschäft→ Capital→ Funding→ Liquidität→ Asset Quality→ Profitabilität→ Resolution

Vier Grundfragen beim Lesen einer Bank

  1. Ist genug Kapital da?
  2. Ist Funding und Liquidität stabil?
  3. Sind die Assets gesund?
  4. Verdient die Bank auf diesem Kapital ausreichend Geld?
Quelle der Lerninhalte: Notion · „Bankkennzahlen – 20 Lernkarten“. Recherche-Stand dort: 03.09.2026. Bankbeispiele überwiegend Q2/H1 2026. Näherungswerte und Peer-Vergleiche sind nicht immer vollständig apples-to-apples; die Seite dient dem Lernen und ersetzt keine Prüfung der Originalberichte.